Einige Gedichte von

Nicanor Parra

auf Spanisch und in deutscher Übertragung

Solo de piano

Ya que la vida del hombre no es sino una acción a distancia,
Un poco de espuma que brilla en el interior de un vaso;
Ya que los árboles no son sino muebles que se agitan:
No son sino sillas y mesas en movimiento perpetuo;
Ya que nosotros mismos no somos más que seres
(Como el dios mismo no es otra cosa que dios)
Ya que no hablamos para ser escuchados
Sino para que los demás hablen
Y el eco es anterior a las voces que lo producen;
Ya que ni siquiera tenemos el consuelo de un caos
En el jardín que bosteza y que se llena de aire,
Un rompecabezas que es preciso resolver antes de morir
Para poder resucitar después tranquilamente
Cuando se ha usado en exceso de la mujer;
Ya que también existe un cielo en el infierno,
Dejad que yo también haga algunas cosas:

Yo quiero hacer un ruido con los pies
Y quiero que mi alma encuentre su cuerpo.

    

Pianosolo

Da das Leben des Menschen nur Handlung in der Ferne ist,
Ein bißchen Schaum, der im Innern eines Glases glänzt;
Da die Bäume nur Möbel sind, die sich bewegen:
Sie sind nur Stühle und Tische in permanenter Bewegung;
Da wir selbst nichts anderes als Wesen sind
(Wie auch Gott selbst nichts anderes ist als Gott),
Da wir nicht reden, um gehört zu werden,
Sondern damit auch die anderen reden,
Und das Echo den Stimmen vorausgeht, die es erzeugen;
Da wir ja nicht einmal die Tröstung eines Chaos haben
In dem gähnenden Garten, der sich mit Luft füllt,
Ein Rätsel, das wir vor dem Tode lösen müssen,
Damit wir später wieder friedlich auferstehen können,
Wenn wir uns der Frau zuviel bedient haben;
Da es auch in der Hölle einen Himmel gibt,
Gestattet auch mir, ein paar Dinge zu tun:

Ich möchte mit meinen Füßen ein Geräusch machen
Und möchte, daß meine Seele ihrem Körper begegnet.

    

Solo

Poco
        a
          poco
                 me
                     fui
                         quedando
                                        solo
Imperceptiblemente:
Poco
        a
          poco

Triste es la situación
Del que gozó de buena compañía
Y la perdió por un motivo u otro.

No me quejo de nada: tuve todo
Pero
       sin
           darme
                    cuenta
Como un árbol que pierde una a una sus hojas
Fuime
         quedando
                        solo
                              poco
                                      a
                                        poco.

    

Allein

Nach
         und
               nach
                      ging
                            ich
                                 und
                                       blieb
                                               allein
                                                       zurück
Unmerklich:
Nach
         und
               nach

Die Lage dessen ist traurig
Der sich guter Gesellschaft erfreute
Und sie aus dem einen oder anderen Grunde verlor.

Ich beklage mich über nichts: ich hatte alles
Aber
        ohne
                es
                    zu
                        merken
Wie ein Baum der nach und nach seine Blätter verliert
Ging
       ich
            und
                  blieb
                         nach
                                 und
                                       nach
                                               allein
                                                       zurück.

    

Pensamientos

Qué es el hombre
               se pregunta Pascal:
Una potencia de exponente cero.
Nada
       si se compara con el todo
Todo
       si se compara con la nada:
Nacimiento más muerte:
Ruido multiplicado por silencio:
Medio aritmético entre en todo y la nada.

    

Gedanken

Was ist der Mensch?
               fragt sich Pascal:
Eine Potenz mit dem Exponenten null.
Nichts
       im Vergleich zu Allem
Alles
       im Vergleich zum Nichts:
Geburt plus Tod:
Geräusch multipliziert mit Stille:
Arithmetisches Mittel zwischen Allem und Nichts.

    

Padre nuestro

Padre nuestro que estás en el cielo
Lleno de toda clase de problemas
Con el ceño fruncido
Como si fueras un hombre vulgar y corriente
No piense más en nosotros.

Comprendemos que sufres
Porque no puedes arreglar las cosas.

Sabemos que el Demonio no te deja tranquilo
Desconstruyendo lo que tú construyes.

El se ríe de ti
Pero nosotros lloramos contigo.

Padre nuestro que estás donde estás
Rodeado de ángeles desleales
Sinceramente
              no sufras más por nosotros
Tienes que darte cuenta
De que los dioses no son infalibles
Y que nosotros perdonamos todo.

    

Vaterunser

Vater unser der du bist im Himmel
Und alle möglichen Probleme hast
Und mit deiner gerunzelten Stirn
Wie ein x-beliebiger Normalbürger aussiehst
Gedenke unserer bitte nicht mehr.

Es ist uns klar daß du leidest
Weil du die Dinge nicht in der Hand hast.

Wir wissen daß der Teufel dich nicht in Ruhe läßt
Und das von dir Aufgebaute zunichte macht.

Er lacht dich aus
Aber wir weinen mit dir.

Vater unser der du bist wo du bist
Umgeben von untreuen Engeln
Eindringlich bitten wir dich
unseretwillen nicht mehr zu leiden.
Du solltest berücksichtigen
Daß die Götter nicht unfehlbar sind
Und daß wir alles vergeben.

    

Me retracto de todo lo dicho

Antes de despedirme
Tengo derecho a un último deseo:
Generoso lector
                quema este libro
No representa lo que quise decir
A pesar de que fue escrito con sangre
No representa lo que quise decir.

Mi situación no puede ser más triste
Fui derrotado por mi propia sombra:
Las palabras se vengaron de mí.

Perdóname lector
Amistoso lector
Que no me pueda despedir de ti
Con un abrazo fiel:
Me despido de ti
Con una triste sonrisa forzada.

Puede que yo no sea más que eso
Pero oye mi última palabra:
Me retracto de todo lo dicho.
Con la mayor amargura del mundo
Me retracto de todo lo dicho.

Ich nehme alles Gesagte zurück

Bevor ich mich verabschiede
Habe ich ein Recht auf einen letzten Wunsch:
Großzügiger Leser
                   verbrenne dieses Buch
Es enthält nicht das was ich sagen wollte
Obwohl es mit Blut geschrieben wurde
Enthält es nicht das was ich sagen wollte.

Meine Lage könnte nicht trauriger sein
Ich wurde von meinem eigenen Schatten besiegt:
Die Worte rächten sich an mir.

Vergib mir Leser
Freundschaftlicher Leser
Daß ich nicht mit einer treuen Umarmung
Von dir Abschied nehmen kann:
Ich verabschiede mich von dir
Mit einem traurigen gezwungenen Lächeln.

Vielleicht bin ich nicht mehr als das
Aber höre dir meine letzten Worte an:
Ich nehme alles Gesagte zurück.
Mit der größten Bitterkeit der Welt
Nehme ich alles Gesagte zurück.

Solo de piano aus Nicanor Parra, Poemas y antipoemas (1938-1953). Solo aus Antología de la poesía hispanoamericana contemporánea 1914-1970, Selección, prólogo y notas de José Olivio Jiménez, Alianza Editorial, Madrid, 1971. Padre Nuestro, Pensamientos und Me retracto de todo lo dicho aus Nicanor Parra, Ejercicios respiratorios (1964-1966). Copyright © der deutschen Übersetzung Johannes Beilharz 2001.

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